von Achim Stahn
Auch bei den Automobilen gilt (jedenfalls bei den meisten) Sex sells - schöne Kurven steigern den Absatz. Zum Verlieben schön sollen Autos sein, um Käufern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Das gilt vor allem für betont sportliche und teure Fahrzeuge. Das war schon in den vergangenen Jahrzehnten so, entsprechend ausgefallene Designstudien tauchten immer wieder auf den Automessen weltweit auf. Heute liegt dagegen eindeutig sichtbar das Thema Abenteuer im Fokus der Kreativen. Jeder Chef einer Automobilmarke weiß, dass der weltweite Absatzerfolg letztendlich auch auf dem herausragenden Design der angebotenen Modelle basiert. Damit dies richtig gut klappt, dürfen die Designer in streng abgeschotteten Studios auch mal über die Stränge schlagen. Das müssen sie auch, denn Top-Kreative stehen momentan hoch im Kurs, auch bei der Gestaltung der kommenden E-Autos. Manche der Ideen (leider viel zu wenige) dürfen sich dann aus den streng bewachten Studios auf den Weg zu einer öffentlichen Präsentation machen. Elektro-Marken ohne bisherige Historie nutzen diesen Weg ebenfalls. Allerdings in anderer Hinsicht. Auf der Suche nach einem unverwechselbaren Profil, sind sie auf der Suche nach den besonders Kreativen, die dies mit Prototypen schon öfters gezeigt haben. Wir zeigen hier drei aktuelle Beispiele.
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Dacia Manifesto
Wer zeigen will, was er vorhat, muss laut trommeln, sonst hört ihn keiner. Genau das hat Dacia mit diesem Concept Car getan. Offiziell heißt er Manifesto, doch wir nennen ihn einfach mal Bugster – klingt doch besser, passt auch treffender zu den Namen der aktuellen Modellfamilie. Diese Studie eines Freizeitgefährts soll ein klares Zeichen setzen. Sie zeigt eindrucksvoll, was die Automarke konsequent kundenorientiert vorhat, wohin die Reise in den kommenden Jahren führt. Vor allem weg vom eher langweiligen Design hin zu mehr optischem Spaß am Leben. Klar ist auch, dass die Preise trotz Neuausrichtung konkurrenzlos günstig bleiben werden. „Unsere Autos soll sich auch zukünftig jeder leisten können’, versprach mir Denis le Vot auf dem Pariser Autosalon. Also echte Wagen fürs Volk. Der Dacia-Chef ist bekannt dafür, dass er hält, was er sagt. Ein ausgemachtes Ziel verliert er nicht aus den Augen. Zumal dann, wenn es mit weit geöffneten Türen vor ihm steht.
Der im minimalistischen Abenteuer-Look gestaltete rein elektrisch angetriebene Allrad-Buggy hat eine Fülle von Ideen an Bord, die den Alltag auf- und abseits befestigter Wege maßgeblich erleichtern können. Klar, vieles davon ist reine Utopie, anderes schon in zukünftigen Modellen von Dacia fest eingeplant. Auch die coole Abenteuer-Optik. Natürlich nicht derart radikal, ganz sicher aber ebenso eindrucksvoll. Zum Beispiel bei einem Familien-SUV wie dem Nachfolger des Dacia Duster. Der kommt 2024, der gut 4,6 Meter lange Bigster ebenfalls. ![]()
Citroen Oli
Klar, wer auffallen will, muss mächtig auffahren, vor allem dann, wenn es gilt die Visionen für die Zukunft zu präsentieren. Der französischen Marke Citroёn ist das mit dem 4,2 Meter langen Oli ganz besonders gelungen. Er sieht zwar aus wie ein klein geratener Hummer H1 (das Monster-SUV aus den USA), doch das ist natürlich der öffentlichkeitswirksame Weg um Aufmerksamkeit in den Medien zu bekommen. Denn der Oli ist ganz das Gegenteil vom tonnenschweren „Palast auf Rädern“. Sein Motto: bezahlbar! In Wahrheit soll das rein elektrische Konzeptfahrzeug (wird so nie gebaut) ein wichtiges Motto transportieren. Citroën-Chef Vincent Cobée: „Wir setzen uns eindeutig dafür ein, dass Elektrifizierung nicht teuer sein darf. Die Fahrzeuge müssen leichter werden, wir erfinderischer, damit sie preiswerter anzubieten sind. Sonst werden sich viele Menschen und vor allem Familien die Freiheit der Mobilität nicht mehr leisten können.“ ![]()
Was er damit meint, zeigt der bereits im vergangenen Jahr vorgestellte Ami, der – im Gegensatz zu Frankreich – bei uns von Opel vertrieben wird. Dank 45 km/h Höchsttempo ist er von 15-Jährigen zu fahren. Nun kommt der deutlich größere Oli für die Familie. Mit 4,20 Meter Länge bietet er ausreichend Platz für vier Personen. in typisches Familienauto wog Mitte der 70er Jahre nur rund 800 kg, war 3,7 Meter lang und 1,6 Meter breit. Vergleichbare Modelle sind mindestens 4,3 Meter lang und 1,8 Meter breit, wiegen heute mehr als 1,2 Tonnen, manche sogar über 2,5 Tonnen. Vor allem Elektroautos sind echte Schwergewichte, schleppen jede Menge Kilos mit herum.