Mit dem EX90 beginnt eine neue Ära bei Volvo
NEUES FLAGGSCHIFF Siebensitzer-SUV aus Schweden kommt nur noch rein elektrisch
von Achim Stahn
Wer an ein Fahrzeug von Volvo denkt, hat immer solide Verarbeitung, sicherer Konstruktion und einen eher zurückgenommenen Eindruck vor sich. Nicht protzen, die inneren Werte zählen. Doch natürlich muss ein Auto optisch möglichst auf den ersten Blick gefallen, auf jeden Fall neugierig auf mehr machen. Das gilt heute mehr denn ja.
Auch darauf hin hat sich Volvo mit seinen Baureihen hervorragend entwickelt, allerdings immer mit dem gewissen skandinavischen Touch. Und das bedeutet eher klare Linien, raffiniert unaufgeregt bei den Formen.
Beim nagelneuen EX90 ist das nicht anders. Mit seinen Proportionen und dem Styling ist er klar in der SUV-Welt zuhause. Sein Auftritt ist elegant, durch den gleichzeitig robusten Auftritt wirkt der Wagen sicher. Eines der Kernwerte von Volvo. Das Platzangebot ebenso. Das liegt hier auf einem enormen Niveau, beim mitreisenden Gepäck ebenfalls (655 bis 1915 Liter).![]()
Ab 2030 nur noch elektrisch
Das neue Flaggschiff der Marke hatte seine Weltpremiere in Stockholm am 9. November 2022, doch richtig los geht es erst Ende 2023. Dann steht das knapp über fünf Meter lange SUV bei den Händlern zum hautnah Kennenlernen, Probesitzen und Probefahren bereit. Damit es dann nicht zu unnötigen Wartezeiten kommt, wurden die Auftragsbücher schon aufgeschlagen. Wer den Wagen möglichst früh nach dem Start haben will, hat mit mindestens 105550 Euro zu rechnen.
Für Volvo ist der EX90 nicht irgendeine Neuvorstellung. Er ist zugleich der Startschuss für eine umfassend neue Palette an vollelektrischen Modellen. Davon soll ab 2024 jedes Jahr eines vorgestellt werden und vom Band rollen. Das ambitionierte Ziel: ab 2030 nur noch E-Autos anbieten.
Der an sich gute Ansatz für unsere Umwelt bietet allerdings neuen Namen (und da gibt es jede Menge) hervorragende Möglichkeiten mit ihren eigenen Ideen Europa zu überfluten. Die ersten sind schon dabei.
Auch in der Welt von Volvo wird es bald viel mehr Mitbewerber als heute geben. In der Premium-Welt sowieso, denn dort ist am meisten Geld zu verdienen. China ist da nur eine von vielen großen Geburtsstätten. Bald wird auch Amerika richtig loslegen. Die Fokussierung beider Regierungen auf die eigenen Länder macht es für Europa nicht einfacher.
Länder, an die wir in Sachen Mobilität noch nie gedacht haben, sind ebenfalls auf dem Sprung. Ein gutes Beispiel ist der 35-jährige Mate Rimac aus Kroatien. Mit seinem rein elektrischen Supersportwagen Nevera huscht er gerade an Bugatti vorbei. Hat diese legendäre Marke sogar unter seine Fittiche genommen. Inzwischen stehen alle großen Hersteller vor seiner Tür in Sveta Nedelja. Wirklich!
Volvo sieht das sportlich. Besser sein, schneller reagieren, so lautet die Devise. Auf die Welt von Morgen haben sich dort die Ingenieure, Softwareentwickler und Designer bestens vorbereitet. Der nagelneue EX90 zeigt das eindrucksvoll. Mit Spitzentechnik bei Elektrifizierung, Konnektivität, Sicherheit, Rechenleistung, Infotainment. Unterstützt von Lidar (dreidimensionales Laserscanning) ist der EX90 als erster Volvo hardwareseitig bereits auf das unüberwachte autonome Fahren der Zukunft vorbereitet.
Und das soll laut allen Prognosen gut informierter Experten vor allem in den wichtigsten Verkaufsmärkten über „ich will“ oder „besser nicht“ entscheiden. Also China und USA.
Um das später zu realisieren, ist Google HD Maps als weiterer Puzzelstein an Bord. Dahinter versteckt sich eine hochauflösende, speziell für Autohersteller entwickelte Karte. Sie zeigt äußerst detailliert und aktuell die benötigten Straßeninformationen.
Ebenso wichtig ist Lidar, für die meisten sicher ein Fragezeichen, doch für die automobile Zukunft ein nobelpreiswürdiger Meilenstein. Im EX90 beobachtet der in die Dachlinie integrierte Lidar-Sensor (Light Detection and Ranging) die vorausliegende Straße unabhängig vom Lichteinfall zuverlässig bei Tag und Nacht. Bei höherem Tempo auf Autobahnen ebenfalls. Das Hightech-System erkennt Objekte hunderte Meter im Voraus, so bleibt mehr Zeit zum Informieren, möglichen Handeln und Ausweichen.![]()
Hervorragende Ausstattung
Der grandios große Touchscreen (14,5 Zoll) mittig im Armaturenbrett ist der Zugang ins Infotainmentsystem. Das beinhaltet einige Google-Services (Navigationsdienst, Sprachassistent), lässt sich durch weitere Apps auf die persönlichen Vorlieben individualisieren.
Die serienmäßige 5G-Internetverbindung garantiert den schnellen mobilen Datenzugriff mit Echtzeit-Navigation und störungsfreiem Nutzen von Musik-Streaming. Damit lassen sich die Lieblinge über das Premium-Audiosystem von Bowers & Wilkins genießen. Mit Dolby-Atmos-Technik und Lautsprecher in den Kopfstützen auf jedem Sitz ein purer Genuss. Auch sonst bietet der große Schwede jede Menge Ideen für mehr Komfort, in Serie und optional. Die Liste ist sehr umfangreich.
Zur Serienausstattung gehört die „Phone Key“-Technik. Sie nutzt das Smartphone als Fahrzeugschlüssel, der kann zuhause bleiben. Klingt merkwürdig, ist jedoch eine tolle Sache, den Wagen so zu öffnen, verschließen und starten. Nach dem Platznehmen wird man persönlich begrüßt und parallel das individuelle Fahrprofil automatisch geladen. Eine sehr komfortable Idee.
Kraftvoller Allradantrieb
Zum Marktstart stehen zwei Allradversionen mit Elektromotoren an beiden Achsen bereit: mit 408 PS (770 Nm) und 517 PS (910 Nm). Die stärkste Variante soll trotz gut 2,8 Tonnen Gewicht in 4,9 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h beschleunigen. Bei 180 km/h wird der Vortrieb jedoch abgeregelt.
Mit der starken Hochvoltbatterie (111 kWh) soll eine vergleichbare kombinierte Reichweite laut WLTP von bis zu 600 Kilometern möglich sein. Dank Schnellladefunktion lässt sie sich in 30 Minuten von zehn auf 80 Prozent füllen.
Was sicher viele erfreuen mag: Durch bidirektionales Laden verwandelt sich der Wagen in einen rollenden Energiespeicher. Das Zuhause mit Strom bei einem Netzzusammenbruch versorgen oder elektrische Geräte wie zum Beispiel das E-Bike – ab sofort kein Problem mehr. Liegengebliebene andere vollelektrische Volvo lassen sich damit auch aufladen.![]()